Kindertherapie

Kindertherapie Text als PDF-Datei zum Download

Wer? Wie? Was? Warum Kindertherapie in der Krankengymnastik?                                                       

Häufig werden wir gefragt, warum auch schon kleinste Kinder, ja sogar Säuglinge, Krankengymnastik verordnet bekommen. „Die müssten doch eigentlich gesund sein!”, heißt es.

Im Prinzip stimmt das: Die klassischen Krankheiten, die wir Erwachsenen kennen und unter denen wir leiden und die dann mit Hilfe der Krankengymnastik gelindert oder sogar geheilt werden, sind den kleinen Patienten fast gänzlich unbekannt. Warum sollte ein Säugling Rückenschmerzen vom vielen Sitzen haben? Oder wie kann ein Hüftgelenk eines kleinen Kindes arthrotisch, d.h. einen übermäßigen Knorpelverschleiß aufweisend, verändert sein?

Diese Dinge und natürlich auch eine endlos lange Liste mit weiteren typischen Indikationen für Krankengymnastik treffen sicherlich nicht für ein Kind in unterschiedlichsten Altersstufen zu. Nur in Ausnahmefällen sind die Probleme der Kleinen mit denen der Großen zu vergleichen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Krankengymnastik für Kinder minder wichtig ist und einem reinen Spiel gleichkommt. Eher kann man sogar sagen, dass die Krankengymnastik in der Kinderheilkunde einen mindestens ebenbürtigen Stellenwert einnimmt. Welche Probleme kann nun also ein Säugling oder ein Kleinkind in unsere Praxis mitbringen, die behandelt werden müssen?

Wenn wir geboren werden, dann erscheinen wir nach außen hin „komplett”. Wir haben zwei Arme und zwei Beine, einen Kopf und natürlich auch einen Körper. Und die anderen kleineren Details sind eigentlich auch vorhanden. Doch in unserem Inneren, insbesondere im Rückenmark und im Kopf, dort wo unser Nervensystem lokalisiert ist, herrscht noch ein gewisses „Chaos”. Zwar sind alle „Bauteile” vorhanden, doch sie sind noch lange nicht alle miteinander verknüpft, d.h. die Systeme arbeiten noch nicht sehr intensiv miteinander.

Kinderschuhe400Daher lässt sich auch erklären, dass ein Säugling sich noch nicht sehr koordiniert bewegt, sich noch nicht drehen, sitzen oder stehen kann und natürlich auch noch keine Sprache beherrscht. All diese und alle weiteren Fähigkeiten müssen erst erlernt werden. Und dies geschieht, indem das Nervensystem mit Reizen unterschiedlichster Natur „gefüttert” wird.

Diese Reize sollten so vielfältig wie möglich sein, um durch große Abwechslung auch viel Arbeit des Nervensystems zu erzielen. Daher darf man unter Reizen nicht nur die bekannten Gerüche, Geschmäcker oder optischen Reize verstehen, sondern besonders Berührungsreize, Bewegungsreize, Gleichgewichtsreize und Sprache gehören dazu. Denn wenn diese Reize in unterschiedlichster Kombination natürlich zur richtigen Zeit auf das Nervensystem „einprasseln”, kann dieses diese auch oft verarbeiten. Es lernt und reift oft langsam und stetig voran. Diesen internen Reifungsvorgang kann man natürlich nicht von außen erkennen. Wer kann schon in das Nervensystem eines Menschen hinein schauen?

Aber man kann ihn häufig in der Bewegungsentwicklung (auch sensomotorische Entwicklung genannt) und natürlich auch in der geistig-intelektuellen Entwicklung erkennen. Denn sowohl die eine als auch die andere Entwicklung sind meistens nur möglich, weil die einzelnen Anteile unseres Nervensystem sich untereinander immer weiter verschalten. Kinder erklimmen also in ihren geistigen und sensomotorischen Fähigkeiten eine Art Leiter, d.h. mit jeder Sprosse kommen sie ihrem Ziel immer näher. Doch diese Leiter ist fast endlos, und von daher ist ein echter Reifungsprozess unseres Gehirns eigentlich niemals abgeschlossen. „Was Hänschen nicht lernt , lernt Hans nimmermehr!”, stimmt also nicht. Hans tut sich ein bisschen schwerer, aber lernfähig ist Hans‘ Gehirn auch. Man hat bewiesen, dass sogar bis zum 73. Lebensjahr die kleinsten Bausteine des Nervensystems, die Nervenzellen sich untereinander verschalten können.