Wissenswertes für Ödempatienten

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Im Körper können täglich durch eine Reihe von Stoffwechselvorgängen Zelltrümmer, alte weiße Blutkörperchen usw. in einer Menge von ca. 1,5 Litern pro 24 Stunden produziert werden. Diese nicht mehr benötigte Flüssigkeit kann durch das Lymphsystem abtransportiert werden. Hierbei handelt es sich um ein Gefäßsystem, dass die gesamte Haut durchzieht und in der Nahe großer Organe vorkommt. Die Flussrichtung dieser Gefäße geht oft von den Randbezirken des Körpers zum Zentrum und weiter bis zum Hals. Dort treten die Lymphgefäße in den Blutkreislauf über und die Flüssigkeit kann nun über die Nieren ausgeschieden oder rückresorbiert werden.

Bei angeborener Fehlentwicklung, Verletzung oder Erkrankung der Lymphgefäße sowie nach lebensrettenden chirurgischen und strahlentherapeutischen Krebsbehandlungen können nicht selten Lymphödeme der Arme oder Beine entstehen. Der gut Informierte Patient kann manchmal zur Verhütung und der Besserung dieser unangenehmen, manchmal sehr dicken Schwellungen beitragen, indem er das therapeutische Handeln nach folgenden beiden Grundsätzen unterstützt: Er sollte die noch vorhanden restlichen Lymphwege nicht einengen oder zerstören lassen und in den lymphabflussbehinderten Armen oder Beinen nicht übermäßig viel Ödemflüssigkeit entstehen lassen. Dazu kann die Beachtung und Durchführung folgender Maßnahmen wichtig und notwendig sein.

  1. Jede Lymphabflussbehinderung vermeiden, daher weg mit einengenden und abschnürenden Strumpfbändern, Hosenbeinansätzen, BH-Trägern u.s.w. Herunter hängenlassen von Armen oder Beinen sowie langes Stehen und Sitzen meiden.

  2. Überanstrengung und Übermüdung können das Ödem verstärken. Koordinieren Sie daher ein wohlüberlegtes Beschäftigungsprogramm zu Hause, im Beruf, beim Sport und für den Urlaub! Schwere Arbeiten und Bewegungsübungen mit großem Kraftaufwand und mit überdehnenden und zerrenden Bewegungsausschlägen sind daher sehr unzweckmäßig! Leichtere Beschäftigungen, Arbeit u. Sport sind dagegen erlaubt, wenn vor Eintritt der Ermüdung immer wieder eine Pause gemacht wird – also ein sog. „Intervall-Training”. Denken Sie an Arbeitserleichterungen wie z.B. Koffer und Einkaufstaschen mit Rädern sowie Rucksäcken. Bedenken Sie bei Beinlymphödemen, dass Liegen und Gehen oft besser ist als Stehen und Sitzen!

  3. Oft sehr wirksam ist das Intervalltraining in der Bandage oder der elastischen Bestrumpfung, weil die sich bewegenden und verdickenden Muskeln gegen die feste Umhüllung drücken und dadurch das Ödem und die Lymphe herzwärts verschieben können. Bei gleichzeitiger Hochlagerung hilft auch die Schwerkraft mit…

  4. Große und kleine Verletzungen führen zum Blutaustritt und verstärken das Ödem meistens. Beachten Sie daher: Bei der Nagelpflege nicht in den seitlichen Nagelfalz oder in die Nagelhaut schneiden. Die leichtesten Bagatellverletzungen an Fingern, Händen und Armen sowie an Zehen, Füßen und Beinen sorgfältig meiden! Ggf. tragen Sie bitte sofort eine vom Arzt verordnete antibakterielle und antiallergische Salbe auf.

  5. Wir empfehlen Hinweise und Beispiele: Gehen sie vorsichtig mit Hunden, Katzen o.ä. um. Schnitt- oder Brandwunden, Fußblasen, Hautabschürfungen, Zerrungen und Blutergüsse bei der Arbeit, im Straßenverkehr, daheim, im Garten um Urlaub und beim Sport sind für Ödempatienten häufig sehr gefährlich. Überlegen Sie, wie solche Unfälle zu vermeiden sind. Sie sollten z.B. nicht barfuß laufen und Rosen oder Dornenbüschen aus dem Weg gehen. Ihre berufliche Tätigkeit auf Verletzungsgefahren prüfen und mit dem Betriebsarzt oder Hausarzt die Probleme erörtern.

  6. Örtliche Entzündungen und andere Krankheiten meiden oder sofort und energisch nach Anordnung des Arztes behandeln. Alle o.a. Hautverletzungen führen meist im Ödemgebiet ungewöhnlich oft zu erheblichen Entzündungen, am häufigsten zu ausgedehnten Wundrosen. Diese Erysipele gehen oft einher mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Ärztliche Behandlung ist dann sofort notwendig. Dies liegt darin begründet, dass die Lymphe der „keimbeladenen” Körperbezirke nicht im normalen Umfang entsorgt wird. Viele Infekte und am häufigsten rheumatischen Leiden am Ödemarm oder -bein und in ihrer Nachbarschaft verschlimmern die Ödeme.

  7. Meiden Sie auf jeden Fall Überwärmung und Unterkühlung. Beides führt oft sofort oder nachträglich zu einem stärkeren Blutzufluss und zur Ödemvergrößerung. Somit zu beachten: Keine überhitzende physikalische Therapie, auch nicht ödemfern; auch keine Theramalbäder, keine Sauna, keine heißen Packungen oder Bestrahlungen, keine zu heißen Kopfhauben beim Friseur, keine überhitzenden Kosmetikpackungen und keine Wärmflaschen. Sie sollten keinen Urlaub in heißen Klimazonen oder zur warmen Jahreszeit planen. Vermeiden Sie „mückenreiche” Länder. Sie sollten Sonnenbäder vermeiden. Schwimmen bei Temperaturen von 25° C bis 28°C ist am besten! Wir empfehlen keine vereisenden oder unterkühlenden Eis- oder Alkoholpackungen durchzuführen, denn eine Steigerung der Durchblutung führt oft gleichzeitig zu einer Ödemverstärkung, weil Blut (Eiweiße) chemisch sehr bindungsfreudig mit Wasser ist!

  8. Das Ödem ist vom Essen und Trinken unabhängig. Beachten Sie jedoch: Eine ausgewogene Mischkost mit mäßigem Salzgehalt und mit einem ausreichenden Anteil an Gemüse, Salat und Obst ist allgemein ge-sundheitsfördernd. Besprechen Sie alle Fragen, die Ihnen nach der Lektüre dieses Merkzettels bleiben oder kommen mit Ihren Therapeuten.

Denn es geht um Ihr Wohl!

Hagen Kraus

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Nachwort:

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aus wettbewerbsrechtlichen Gründen weisen wir an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass dieser Text ausschließlich der Information dient und nicht als Werbung zu verstehen ist. Wir geben mit diesem Informationstext weder ein Heilversprechen ab noch veröffentlichen wir hiermit eine Wirkungsbehauptung. Im Einzelfall kann eine dargestellte Behandlungsform nicht angezeigt sein und darf deshalb nicht durchgeführt werden .